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GWZ Heerstraße Nord

Obstallee 22 a - e | Karte
13593 Berlin

Medizinisches Versorgungszentrum
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Kita Regenbogen
Obstallee 22b
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Fördererverein Heerstraße Nord e.V.
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(030) 375 898 0
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Gemeinwesenverein Heerstraße Nord e.V.
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(030) 363 41 12
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Evang. Kirchengemeinde zu Staaken
Obstallee 22e
(030) 363 710 0
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Weitere Informationen
Konzeption von 1978 | pdf
Partner des GWZ


Das Gemeinwesenzentrum Heerstraße Nord

Wissen wir doch! Die 70er Jahre sind brandaktuell!! Ein Blick auf die 1978 entwickelte Konzeption des Gemeinwesenzentrums Heerstraße Nord.

Das GWZ in einer frühen BauphaseVom Beginn im Jahr 1978 bis heute ist das Gemeinwesenzentrum eine Geschichte von besonderem Engagement von Bürgern für Bürger.

Schon in den ersten Jahren der Großsiedlung fanden sich Pfarrer, Sozialarbeiter, Ärzte und ein Architekt zusammen, um im Stadtteil den Menschen, die es aus unterschiedlichen Teilen Berlins, Regionen Deutschlands und Ländern der Welt in die neue Siedlung verschlagen hat, selbstverwaltet einen zentralen Ort zu schaffen, an welchem den Bewohnerinnen und Bewohnern ein umfassendes, ganzheitliches Angebot humaner Arbeit angeboten werden konnte. Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine ganzheitliche Herangehensweise sollte das entstehende Gemeinwesen bestmöglich gefördert werden.

Die hier beigefügten Ausschnitte der Konzeption des Gemeinwesenzentrums aus dem Jahr 1978 beinhalten erstaunlich aktuelle Überlegungen:

DIE IDEE
Heerstrase Nord - Fragen an unsere Zukunft

Trabantenstadt, Wohnquartier, Stadtrandsiedlung, Gemeinde oder Kietz?
20.000 Mieter, Ein-wohner, Be-wohner, Bürger oder Gemeindemitglieder?

Wohin entwickelt sich dieses Heerstrase Nord? Zur Geisterstadt, deren Wohnungen zu teuer, oder unbewohnbar sind? Zur Ameisenstadt eines staatlich finanzierten Billigwohnquartiers? Werden die Mittellosen verdrängt, oder ziehen die aus, die es sich leisten können? Bleiben die Alten, Behinderten, Kranken, Kinder, Alleinstehenden, oder werden sie einbezogen, akzeptiert, beachtet, gefragt?

Wird die Lebensperspektive der Bewohner außerhalb von Heerstr. Nord angesiedelt sein, oder werden sie ihre Lebensperspektive mit Heerstr.Nord verbinden? Werden die Bewohner mit Ihrer unmittelbaren Umwelt gleichgültig und achtlos umgehen, oder daran interessiert sein, sie zu erhalten, zu verschönern und zu verbessern? Werden sie Gebäude und Anlagen ihrer Wohngegend verbrauchen und sie danach verlassen, oder werden sie deren Gebrauchs- und Lebenswert zu erhöhen trachten.

HEERSTRASSE NORD - EINE HERAUSFORDERUNG

Viele dieser Fragen beschäftigen uns auch heute wieder! Die Situation der Großsiedlungen war im Jahr 1978 genauso eine Herausforderung wie im Jahr 2014:

Aktuell stellen Bevölkerungswachstum und Mietenentwicklung für die Stadt Berlin hinsichtlich der Versorgung „breiter Schichten der Bevölkerung“ mit preisgünstigem Wohnraum eine große Herausforderung dar. Welche Rolle spielen dabei die Großsiedlungen am Stadtrand? Sind die vorurteilsbelasteten Großsiedlungen als Wohnform Auslauf- oder Zukunftsmodell in den großen Städten?

Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich die Veranstaltung: Stadtwandel – Rolle der Großsiedlungen am Stadtrand von Berlin.

Die Diskussion zur Situation und Entwicklung von Großwohnsiedlungen am Berliner Stadtrand fand in Kooperation mit dem Paritätischen Landesverband Berlin e.V. und dem Gemeinwesenverein Heerstraße Nord e.V. am 5. Juni 2014 im Kulturzentrum Gemischtes statt.

Die Wohnversorgungsfunktion der Großsiedlung wurde von den Teilnehmern wieder als wichtig erachtet und Großsiedlungen eher als Gewinner denn als Verlierer des stadtweiten Umzugs diskutiert. Der Abteilungsleiter des Referats Wohnungswesen, Stadterneuerung, Soziale Stadt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Herr Schulgen, als auch Herr Dr. Hunger vom Kompetenzzentrum Großsiedlungen und Herr Dr. Andrej Holm von der Humbold Uni betätigten sich als Lobbyisten für die Heerstraße.

Kontrovers diskutiert wurde das belastende Außenbild, vorrangig durch die Presse initiiert, wie der Artikel Endstation Heerstraße Nord zeigt. Dieses stigmatisierende Image steht in einem erstaunlichen Widerspruch zur zu der oft hohen Wohnzufriedenheit der in den Großsiedlungen lebenden Bürger.

In der Konzeption aus dem Jahr 1978 finden sich weitere aktuelle Bezüge. So werden lokale Strategien betont und die Vernetzung als wesentlicher Faktor zur Förderung der Gemeinwesenarbeit hervorgehoben:

Unser "Lokalpatriotismus"

Wir wollen bewusst für den Siedlungsbereich Heerstraße Nord und bewusst im überschaubaren Bereich lokaler Verwurzelung arbeiten. Kein Problem darf bei uns ausgeblendet werden: Alles, was uns hindert, hier eine wirkliche "neue Heimat" zu finden, geht uns an.- Die Welträtsel werden wir nicht lösen, die Weltgeschichte nicht lenken. Aber hier, in unserer engsten Umgebung wollen wir anfangen, „einander die Lasten tragen zu helfen". Hier wollen wir die gesellschaftlichen Bedingungen unserer Probleme bewusst machen und ansatzweise durch gemeinsame Arbeit zu lösen versuchen.

Durch die Mietentwicklung in den letzten beiden Jahren haben wir Zuzug von vielen neuen Bürgerinnen und Bürgern, die hier in der Heerstraße ihre neue Heimat suchen. Wir heißen sie alle willkommen und unterstützen beim „Ankommen“ durch Willkommenstreffen, wie den „Neumietertag“, durch Beratung und Anbindung an die vielen Aktivitäten, welche hier angeboten werden.

Sozialraumorientierung gab es als Wort in den 70er Jahren nicht - doch gelebt wurde diese vorbildlich durch das sich organisierende Gemeinwesenzentrum, welches an lokaler Stelle einen ganzheitlichen Versorgungsanspruch für die Bürger und Bürgerinnen vertrat.

Das 1978 beschriebene Profil des Gemeinwesenvereins weist Methoden und Ziele auf, die für uns ebenfalls noch heute gültig sind:

  • wir sind organisatorische Plattform und juristischer Träger für unterschiedliche Angebote für die Bevölkerung im Gebiet Heerstraße Nord
  • wir praktizieren nach Methoden der Gemeinwesenarbeit
  • wir fördern gesellschaftliche Teilhabe im Gemeinwesen
  • wir ermutigen Menschen zur Selbsthilfe
In seiner sozialen Arbeit praktiziert der Verein neue Methoden der sozialen Arbeit (Gemeinwesenarbeit), wobei er langfristig Verbesserung der Lebenssituation im Gemeinwesen anstrebt. Mit seiner Gemeinwesenarbeit mochte er besonders solche Bewohnergruppen unterstützen, die ihre Interessen und Bedürfnisse nicht ausreichend artikulieren und durchsetzen können. Er regt die Bewohner zur Initiative in Gruppen an. Die Arbeitsprozesse der im Siedlungsbereich tätigen Initiativen organisiert er so, das Lern- und Handlungsprozesse bei sozialen Gruppen (z.B. den im Neubaugebiet lebenden Eltern) in Gang gesetzt werden, die den Betroffenen helfen, ihre Probleme in gesellschaftlichen Zusammenhängen zu erkennen, zu artikulieren und sie motiviert, an der Verbesserung ihrer Lebenssituation in der Siedlung mitzuwirken.

Wenn wir diese Konzeption aus den 70er Jahren betrachten, wird die geleistete Arbeit des Gemeinwesenzentrums zum Zusammenwachsen der „aus dem Boden gestampften“ Großsiedlung deutlich:

Das Modell der Zusammenarbeit hat über 30 Jahre getragen und sich prozessorientiert den gesellschaftlichen Veränderungen und Entwicklungen in der Großsiedlung gestellt. Die aktuellen Geschäftsführer der einzelnen Partner des Gemeinwesenzentrums haben die Konzeption und Ausrichtung ihrer interdisziplinär hochwertigen Versorgung an heutige Anforderungen auf den Weg gebracht. Wir sind uns sicher, dass dieses Modell der gemeinsam getragenen, bürgernahen und bürgerfreundlichen Versorgung auch heute noch dieselbe Aufmerksamkeit und Unterstützung erhalten sollte wie während der Gründerphase.

Die Konzeption aus den 70er Jahren schließt mit folgenden Worten, betitelt mit: „Unsere Hoffnung“

Wir erhoffen mehr Selbstbewusstsein in unserer Bevölkerung, mehr Eigenverantwortung, mehr Zivilcourage. Wir hoffen auf mehr Solidarität mit den Schwachen. Wir hoffen und arbeiten ohne die Mitarbeit der Bevölkerung umsonst und betrügen uns selbst.

Auch diesen Worten schließen wir uns heute gerne an!




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