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Die Wurzeln


Die Wurzeln: Der Verband für sozial-kulturelle Arbeit

Die 68er und die folgenden Jahre - Schlagworte zur Zeitgeschichte:

Auseinandersetzung mit gesamtgesellschaftlichen und systembedingten Ursachen sozialer Probleme - Städtebau: die Unwirtlichkeit unserer Städte. Erziehung - antiautoritäre Erziehung - politisches Bewusstsein

Zur Verbandsgeschichte:

In diesen so genannten "68er Jahren" war und kam viel in Bewegung. Eingefahrenes und Traditionen wurden in Frage gestellt, es wurde nach gesellschaftlichen und politischen Ursachen und Strukturen gefragt und manches musste neu formuliert werden. Diese gesellschaftliche Entwicklung wirkte sich auf viele Bereiche des Verbandes aus.

Ein bedeutender Schritt für den Verband war 1969 die Satzungsänderung, bei der die Ziele des Verbandes um den Aspekt der wissenschaftlichen Arbeit zur Praxisbegleitung erweitert wurden, und 1971 die Umbenennung des Verbandes in Verband für sozial-kulturelle Arbeit.

1969 wurde die Resolution des Verbandes mit dem Titel: "Gesellschaftspolitische Aspekte von Bildung und Bildungsarbeit" ausgearbeitet und im Rahmen der großen Tagung "Die Stadt als Raum des denkenden Aufstandes", die Anfang Mai 1969 in Berlin stattfand, verabschiedet. In ihr wurden u.a. die Folgen der gesellschaftspolitischen Debatte für die sozial-kulturelle Bildungsarbeit formuliert und deutlich demokratischere Strukturen in den Einrichtungen gefordert.

Eine entscheidende Entwicklung in der Arbeit des Verbandes stellte die zunehmende Diskussion um Gemeinwesenarbeit dar.

Der Blick ging von der engen Hauszentriertheit weg und richtete sich vielmehr auf das soziale Gemeinwesen. Dieser Blickwechsel hatte Folgen für das Rollenverständnis des Sozialarbeiters: weg vom helfenden, betreuenden zum beratenden Gemeinwesen-arbeiter. Hinzu kam eine deutliche Ausbreitung der Nachbarschaftsheime in Neubauvierteln der expandierenden Städte.

Ein Beispiel für den radikalen Einstieg in die Gemeinwesenarbeit findet in Berlin statt: 1970/71 wird das Nachbarschaftsheim Charlottenburg umgewandelt in den Gemeinwesenverein Heerstraße Nord, aus dem später (1978) auch ein Gemeinwesenzentrum entsteht.

"Das Nachbarschaftsheim Charlottenburg e.V. hat 1970/71 seine Arbeit von der Waitzstraße im Altbauviertel Charlottenburg ins Neubaugebiet Heerstraße Nord verlagert. Mit dem Umzug war auch eine Umorientierung der Arbeit verbunden:

Der Verein öffnet und bindet sich in besonderer Weise an die Siedlung Heerstraße Nord... Er ermöglicht allen sozial arbeitenden Gruppen und Personen in der Siedlung die Mitgliedschaft und bietet sich an als organisatorische Plattform und juristischer Träger für in Aktion tretende Bewohnergruppen.

In seiner sozialen Arbeit praktiziert der Verein neue Methoden der sozialen Arbeit (Gemeinwesenarbeit), wobei er langfristig Verbesserung der Lebenssituation im Gemeinwesen anstrebt. Mit seiner Gemeinwesenarbeit möchte er besonders solche Bewohnergruppen unterstützen, die ihre Interessen und Bedürfnisse nicht ausreichend artikulieren und durchsetzen können.

Er regt die Bewohner zur Initiative in Gruppen an. Die Arbeitsprozesse der im Siedlungsbereich tätigen Initiativen organisiert er so, dass Lern- und Handlungsprozesse bei sozialen Gruppen (z.B. den im Neubaugebiet lebenden Eltern) in Gang gesetzt werden, die den Betroffenen helfen, ihre Probleme in gesellschaftlichen Zusammenhängen zu erkennen, zu artikulieren und sie motiviert, an der Verbesserung ihrer Lebenssituation in der Siedlung mitzuwirken." (RUNDBRIEF 1/78, S. 38/39)

Die entstehende Fachdiskussion fand auch im Verband einen viel beachteten Ort: es entstand die Sektion "Gemeinwesenarbeit", die ab 1970 einen eigenen Publikationsteil im RUNDBRIEF, dem Organ des Verbandes, erhielt (bis 1988).

Der Auf- und Umbruch jener Zeit spiegelte sich auch in der Alltagsarbeit sozial-kultureller Einrichtungen. Die Suche nach neuen Inhalten und Methoden wurde vor allem in der Jugendarbeit, die ein deutlich politisierteres Selbstverständnis widerspiegelte, und in einer veränderten Kinderarbeit, bei der auch die Eltern deutlicher in den Blick kamen, sichtbar. Die Kinderläden boomten, alle redeten von "antiautoritärer Erziehung". Die "alten" Nachbarschaftsheime wie auch die neueren Einrichtungen experimentierten mit den Ansätzen der Gemeinwesenarbeit.




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